Eine Kundin aus meiner Beratung – Inhaberin einer kleinen Töpferei in der Nähe von Bamberg – hat mir letztes Jahr eine Abmahnung gezeigt. 1.200 Euro Streitwert, weil in ihrem Shopify-Shop die Widerrufsbelehrung auf einer Unterseite versteckt war und im Checkout kein direkter Link dazu führte. Kein böser Wille, nur Unwissenheit. Der Anwalt hat ihr am Ende 600 Euro gekostet – mehr als sie in jenem Monat mit dem Shop verdient hatte.
Solche Geschichten höre ich regelmäßig. Und das Frustrierende daran: Die meisten Fehler lassen sich mit ein bisschen Vorbereitung komplett vermeiden. Dieser Leitfaden zeigt dir Schritt für Schritt, was dein Onlineshop 2026 rechtlich braucht – ohne dass du Jura studiert haben musst.
Was du nach diesem Leitfaden weißt
Du lernst, welche Pflichtangaben in deinen Shop gehören, wie du AGB, Datenschutzerklärung und Widerrufsbelehrung korrekt einbindest, was das Verpackungsgesetz von dir verlangt und wo die häufigsten Abmahnfallen stecken. Konkret, umsetzbar, ohne Juristendeutsch.
Dieser Leitfaden richtet sich an Selbstständige, Handwerksbetriebe und kleine Händler, die ihren Shop selbst betreiben – auf WooCommerce, Shopify oder einem anderen System. Du brauchst keinen Anwalt, um die Grundlagen zu verstehen. Für die finale Prüfung deiner Texte empfehle ich aber trotzdem eine kurze Beratung oder einen spezialisierten Dienst – dazu mehr am Ende.
Voraussetzungen: Was du vorher brauchst
- Einen laufenden oder fast fertigen Onlineshop (Shopify, WooCommerce, Jimdo Commerce o. ä.)
- Deine vollständigen Unternehmensdaten: Name, Adresse, Handelsregisternummer (falls vorhanden), USt-IdNr.
- Klarheit darüber, ob du an Verbraucher (B2C) oder Geschäftskunden (B2B) verkaufst – das beeinflusst mehrere Pflichten
- Ca. 2–4 Stunden Zeit für die erstmalige Einrichtung aller Pflichtseiten
- Optional: Zugang zu einem Rechtstextdienst wie Trusted Shops, IT-Recht Kanzlei oder dem Händlerbund (Kosten: ca. 9–29 € pro Monat)
Wichtig: Die folgenden Informationen sind kein Rechtsrat, sondern eine strukturierte Orientierungshilfe. Im Zweifel gilt: kurze Anwaltsberatung. Viele Kanzleien bieten für genau diesen Zweck Pauschalen zwischen 150 und 300 Euro an.
Schritt 1: Das Impressum – deine Visitenkarte im Netz
Das Impressum ist Pflicht – und zwar für jeden, der gewerblich online verkauft. Rechtsgrundlage ist § 5 Telemediengesetz (TMG) bzw. seit 2024 das Digitale-Dienste-Gesetz. Die Anforderungen haben sich inhaltlich kaum geändert, aber die Erwartung der Behörden an die Erreichbarkeit ist gestiegen.
Was ins Impressum gehört
| Angabe | Pflicht? | Hinweis |
|---|---|---|
| Vollständiger Name / Firmenname | Ja | Bei Einzelunternehmen: bürgerlicher Name |
| Postanschrift (kein Postfach) | Ja | Muss physisch erreichbar sein |
| E-Mail-Adresse | Ja | Muss täglich abrufbar sein |
| Telefonnummer | Nein (aber empfohlen) | Reduziert Abmahnrisiko erheblich |
| USt-IdNr. oder Steuernummer | Ja, wenn vorhanden | Spätestens nach Erteilung eintragen |
| Handelsregisternummer | Ja, falls eingetragen | Inkl. Registergericht und Geschäftsführer |
| Berufsbezeichnung / Kammer | Nur bei reglementierten Berufen | Ärzte, Anwälte, Architekten etc. |
Das Impressum muss von jeder Seite deines Shops aus mit maximal zwei Klicks erreichbar sein. Der Link im Footer reicht – aber er muss wirklich auf jeder Seite sichtbar sein, auch im Checkout. Versteckte Links in hellgrauer Schrift auf weißem Hintergrund sind keine gute Idee, ich habe das schon bei Kunden gesehen.
Häufiger Fehler: Postfach statt Adresse
Ein Postfach reicht nicht. Die Adresse muss eine ladungsfähige Anschrift sein, also eine Adresse, an der du tatsächlich Post empfangen und Zustellungen annehmen kannst. Wer von zu Hause aus arbeitet und die Privatadresse nicht veröffentlichen möchte, kann eine Büroadresse mieten – viele Coworking-Spaces bieten das für 20–50 Euro im Monat an.
Schritt 2: AGB – nicht copy-paste, sondern passend
Allgemeine Geschäftsbedingungen sind keine Pflicht im rechtlichen Sinne – aber de facto unverzichtbar. Ohne AGB gelten die gesetzlichen Regelungen, die für Verkäufer oft ungünstiger sind. Außerdem braucht dein Checkout eine klare Einbindung der AGB, damit ein wirksamer Vertrag zustande kommt.
Was gute AGB für einen Onlineshop regeln
- Vertragsschluss: Wann kommt der Kauf zustande? (Bestellbestätigung vs. Versandbestätigung)
- Preise und Zahlungsbedingungen
- Lieferzeiten und Versandkosten
- Eigentumsvorbehalt (du bleibst Eigentümer bis zur vollständigen Zahlung)
- Gewährleistung und Haftungsbeschränkungen
- Streitbeilegung und anwendbares Recht
Das Problem mit kostenlosen AGB-Vorlagen aus dem Internet: Sie sind oft veraltet, passen nicht zu deinem Sortiment oder enthalten Klauseln, die in Deutschland unwirksam sind. Eine unwirksame AGB-Klausel schützt dich nicht – sie kann sogar als Wettbewerbsverstoß gewertet werden.
Ich empfehle meinen Kunden fast immer einen Rechtstextdienst. Die IT-Recht Kanzlei kostet ab 9,90 Euro im Monat und liefert AGB, die regelmäßig aktualisiert werden und für WooCommerce und Shopify als Plugin eingebunden werden können. Das ist günstiger als eine einzige Abmahnung.
AGB im Checkout richtig einbinden
Die AGB müssen vor dem Kauf aktiv bestätigt werden – in der Regel über eine Checkbox. Formulierung ungefähr so: „Ich habe die AGB gelesen und akzeptiere sie.
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